Großes Theater zum Mitdenken, Mitfiebern und Mitträumen

Das war ganz großes Theater: Die drei Aufführungen des Märchens „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ im Arthur-Groß-Saal des Gymnasiums Marktoberdorf waren ein im Wortsinn wunderbares Theatererlebnis, das die Zuschauer in die fesselnde Welt von Mut, Glück und Abenteuer entführte. Unter der Regie von Ruth Cebulj und Bernhard Kühn bewiesen die Schülerinnen und Schüler des AK Schultheater mit ihrer selbst verfassten Adaption des Märchens der Gebrüder Grimm einmal mehr eindrucksvoll, dass sie nicht nur ein kreatives Autorenkollektiv sind, sondern auch äußerst talentierte Schauspieler, die mit ansteckender Spielfreude und Begeisterung auf der Bühne glänzten.

Ansteckende Spielfreude und Begeisterung

Besonders hervorzuheben ist die gelungene Inszenierung, die es verstand, die verschiedenen Altersstufen und Lebensstationen des „Glückskindes“ humorvoll und lebensnah darzustellen. Die Schauspieler/-innen schafften es, die Entwicklung des Protagonisten von einem schüchternen Kind zu einem mutigen jungen Erwachsenen mit viel Feingefühl und Ausdruckskraft zu vermitteln. Das „Glückskind“ – dargestellt als Kind von Aurelia Kranz (5g), als Jugendlicher von Franka Reiß (7a) und als Erwachsener von Jonathen Trillof (10b) – überzeugte durchweg durch seine charmanten Darstellung, während der „König“ (fantastisch als verschlagener Snob gespielt von Matthias Landes, 9b) und der „Vater“ (überzeugend als Hosenrolle dargestellt von Annelie Wieder, 7g) die Dynamik der Geschichte perfekt einfingen. Der Hofnarr (hintersinnig gespielt von Anna Schulze-Schreiber, 9c) war ein ebenbürtiger, kritisch-ironischer Gegenspieler des Königs, während die „Mutter“ (herzerwärmend: Hannah Gläser, 5c) viel Emotion in ihre Rolle brachte und damit in beeindruckender Weise zur Anschaulichkeit und Tiefe der Erzählung beitrug.

Ein besonderes Highlight war die Darstellung des „Teufels“ (furchterregend und gleichzeitig unterhaltsam verkörpert von Magda Reischl, 9a), dessen wild tanzende höllische Leibwächter an die Walpurgisnacht aus Goethes „Faust“ erinnerten und der die Zuschauer mit seiner unheimlichen Magie in ihren Bann zog. Der Erzähler (eindrucksvoll gespielt von Luca Wilde, 9c) führte mit seiner Stimme und Präsenz durch die Geschichte und verband die verschiedenen Szenen auf wunderbare Weise. Auch alle anderen Nebenrollen waren erstklassig besetzt und schufen als Mahlburschen, Räuber, Dorfbewohner, Hochzeitsgäste, Leibgarde, Pfarrer und Stadtwächter ein lebendiges Bild einer mittelalterlichen Stadt, das durch das gelungene Bühnenbild unterstützt wurde.

Große Fantasie und Kreativität bei Inszenierung und Bühnenbild

Mit viel Fantasie und Kreativität haben Bernhard Kühn und sein Team eine funktionale Kulisse geschaffen, die die Zuschauer in die märchenhafte Welt eintauchen ließ. Die liebevollen Details und die geschickte Nutzung des Raumes trugen dazu bei, dass die Geschichte lebendig wurde und das Publikum mitfiebern konnte. Ein großes Dankeschön gilt allen Schauspielerinnen und Schauspielern, den Bühnentechnikern, der Maske und der Requisite für ihren großartigen Einsatz, der die Aufführung zu einem ganz großen Theater zum Mitfiebern, Mitdenken und Mitträumen für alle Generationen gemacht hat.

Thorsten Krebs